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»Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: „Gott mit uns.“

Privat
Pfr. Jonas Schmidt

»Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: „Gott mit uns.“    (Matthäus 1, 23)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Die Weihnachtszeit ist heute aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten: Trotz der vielen Energiesparmaßnahmen gibt es in dieser Zeit viel Licht, welches einen Kontrast zur trüben Dunkelheit des Winters zeigt, sowie schöne Dekorationen. In den Kirchen viel festliche Musik und Kerzen; andererseits aber volle Innenstädte, Menschenmassen, in den Läden Weihnachts-Angebote und jede Menge Stress. Es soll etwas Schönes gefeiert werden. Die Frage aber ist, ob man wirklich Gründe zu feiern hat. Millionen Menschen leben heutzutage vor allem in der Ukraine in Krieg und Zerstörung, in vielen Orten dort gibt es nicht genug zu essen und zu trinken. Auch hier in Deutschland haben angesichts drastisch gestiegener Preise viele Menschen nicht die Mittel, um die von den Kindern gewünschten teuren Geschenke zu kaufen. Viele Menschen sind allein, etliche gar nicht allein, fühlen sich aber einsam. Und das nicht nur zu Weihnachten.-

Im Wissen um die genannten Realitäten, dachte ich diese Tage über das Geschehen nach, das die Weihnachtszeit ausgelöst hat und uns Freude bringt: Die Geburt unseres Heilands und Erlösers Jesus Christus. Unabhängig davon, ob diese Geschichte, die so in den Evangelien erzählt wird, wortwörtlich genommen wird oder nicht, werden wir durch die Botschaft der Geburt Jesu Christi darauf hingewiesen: Gott offenbart sich in der Zerbrechlichkeit einer unsicheren Familie. In einer unsicheren Familie einer unsicheren Welt. Interessanterweise nicht in menschlicher Pracht und Herrlichkeit. Seine Offenbarung in einem Säugling, der in einer ärmlichen Krippe zur Welt kommt, ist allerdings das größte Wunder, das sich denken lässt.-

Weinachten ist damit ein Akt der Identifikation: Gott ist da, wo und wie wir sind, obwohl die Gegenwart Gottes oft für uns alle schwierig zu spüren ist. Wie Luther betonte, möchte ich aufgrund dieser Gedanken zur Erinnerung bringen, dass Gott immer wieder in einer gewissen Verborgenheit agiert. Wie am Kreuz und in der Auferstehung Jesu Christi. Und wie in der Krippe des Jesuskindes. Gott zeigt uns, dass er immer wieder neue Realitäten schafft: Von dem Tod erweckt er zum Leben. Er macht die Zerbrechlichkeit einer einfachen Familie zum Träger seiner Offenbarung. Eben deshalb appelliert das Evangelium an uns, offene Augen und ein offenes Herz zu haben, um die Kraft der Offenbarung Gottes hinter den Kulissen zu spüren. Die Einladung des Weihnachtsevangeliums ist damit eine Einladung zu einer neuen Wirklichkeit. Ein Hinweis darauf, dass wir immer wieder mit Gott neu anfangen können. Egal, was vorher passiert ist: Gott schafft eine Realität in und für uns.-

Wir sind aber nicht isoliert. Gott hat sich in seinem Sohn Jesus Christus mit uns identifiziert, und so dürfen wir uns auch miteinander identifizieren. Diese Einladung ist schon ein Grund unserer Vorfreude in der Advents- und Weihnachtszeit. Und es ist keine naive Freude. Wir sind uns der Probleme unserer Welt bewusst. Trotzdem dürfen wir hoffen, dass uns die Bedeutung von Weihnachten inspirieren kann, uns für Liebe und damit für Gerechtigkeit, Harmonie und ein besseres Zusammensein zu engagieren.-

Somit freue ich mich besonders, mit Ihnen unsere christliche Hoffnung in unseren Gottesdiensten und dem Zusammensein der kommenden Wochen erleben und feiern zu dürfen und wünsche Ihnen allen eine gesegnete, besinnliche Weihnachtszeit!

Ihr Pfarrer Jonas Schmidt

 

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