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Eine andere Perspektive...

Privat
Pfr. Jonas Schmidt

Liebe Leserinnen und Leser!

Seit letztem Frühjahr bin ich wieder ein bisschen mehr zur Fotografie gekommen. Ein Fotoseminar in einer Fachzeitschrift gab dazu den Anstoß. „Drückt doch nicht einfach nur so drauf“, war die Devise des Autoren. „Schaut euch an, was ihr aufnehmen wollt. Verändert doch einmal die Perspektive. Geht dichter ran, geht weiter weg, stellt euch höher oder geht ganz tief runter. Rückt das, was ihr fotografieren wollt, mal aus der Mitte raus, dann rückt es richtig in die Mitte. Verändert das Licht; und wenn ihr euer Bild aufgenommen habt, nehmt mal die Farbe raus. Verändert die Schärfentiefe durch das Spiel mit Verschlußzeit und Blende!“ Ich habe erstaunliche Entdeckungen gemacht an Motiven, die ich schon viele Male aufgenommen habe. Auch bei Aufnahmen von Menschen geht das. Und es braucht dafür keine High-End-Kamera, obschon eine Spiegelreflex bei beachtlicher Bildqualität die besten Möglichkeiten bietet, anders sehen zu lernen.-

Ob das zwischen uns Menschen nicht auch gut wäre? Anders sehen lernen? Mal eine andere Perspektive einnehmen. Nicht das immer Gewohnte denken und die übliche Schublade aufziehen. Genau das hat Jesus so gemacht: Er hat die Menschen anders angesehen und dadurch viel in Bewegung gebracht. Er hat neue Gemeinschaft zwischen seinem Vater im Himmel und den Menschen gestiftet und damit viele Leute zur Umkehr und Änderung ihres Lebens angeregt. So schaut Jesus die Frau, der das Leben den Rücken krumm gemacht hat, an in ihrer Würde, und sie kann sich aufrichten. Zachäus, dem Betrüger – alle hatten ihre feste negative Meinung von ihm – begegnet Jesus als von Gott geliebtem Menschen und sieht ihn ebenso an – und das ändert sein Leben radikal, so dass er seine Betrügereien wieder rückgängig macht, indem er seine Opfer vierfach entschädigt. „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams“, sagt Jesus am Ende zu ihm.-

Anders anschauen – es wäre doch gut, uns gelänge diese Perspektivveränderung im Umgang miteinander ebenso. Wie viel neues Leben würde das möglich machen, und wie viel neue Gemeinschaft.

Es gibt ein Lied, das vom Anschauen singt, genauer davon, dass wir angeschaut sind: „Du bist ein Gott, der mich anschaut. Du bist die Liebe, die Würde gibt. Du bist ein Gott, der mich achtet. … Schauender Gott, wo findest du mich? Hörender Gott, wie höre ich dich? Durch all meine Fragen gehst du mir nach und hältst behutsam die Sehnsucht wach.“ Die Perspektive verändern – das ist nicht nur gut beim Fotografieren – auch zwischen uns Menschen und für uns selbst kann das Segen stiften, denn da ist ein Gott, der uns mit gnädigen Augen anschaut.

 In herzlicher Verbundenheit verbleibe ich als Ihr

Pfarrer Jonas Schmidt

 

 

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