Menu
Menü
X

Osternachtsgottesdienst - Prädikantin Silke Pauli, Manderbach

Liebe Eibacher,

eigentlich wollten wir den Osterfrühgottesdienst 2020 zusammen feiern. Leider ist es anders gekommen, Gottesdienste fallen aus, Menschen dürfen sich nicht mehr treffen wie sie es gewohnt sind. Alle öffentlichen Veranstaltungen sind seit einiger Zeit abgesagt weil sich eine Pandemie über die Welt, über unser Land verbreitet. Gerade ist alles anders, Planungen sind verworfen und die Welt scheint still zu stehen. Es ist ruhig geworden.

Eine besondere Fastenzeit, ein besonderes Osterfest. Besonders ja, aber nicht weniger bedeutsam. Im Hinblick was Ostern für uns Christen bedeutet, dürfen wir uns trotz aller Verbote der persönlichen Begegnung auf und über Ostern freuen. Vielleicht lesen Sie ja meine Texte, die ich Ihnen gerne im Gottesdienst gelesen hätte und so sind wir doch im Namen Gottes zusammen.

In der Hoffnung auf Gottes Licht wagen wir die Dunkelheit.

In der Hingabe an Gottes Geist füllen wir das Schweigen. In der Hoffnung auf Gottes Macht ertragen wir die Ohnmacht.

Amen

Es ist jetzt still - so still, wie es in unserer lauten Welt hier nur werden kann.

Es ist dunkel - so dunkel, wie an jenem Morgen, an dem die Frauen in Jerusalem zum Grab gingen.

Zu jenem Grab, in dem mit dem Leichnam Jesu all ihre Wünsche und Hoffnungen, ihre Pläne und Erwartungen begraben waren.

Es ist dunkel, wie an jenem Freitag, an dem sich mitten am Tag eine Finsternis über die Welt legte.

Es ist dunkel, wie im Garten Gethsemane, in dem Jesus mit seinem Vater rang: Ist´s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber. Jenem Garten, in dem Jesus seine Freunde und betet!

Dies ist die Nacht, in der Christus von den Toten erstand. In dieser Nacht wandte er unser Geschick. Diese Nacht heute ist nicht wie andere Nächte.

Sie lässt uns erahnen, wie das Licht der Auferstehung in das Dunkel des Todes hineinleuchtet. So soll unsere Osternacht ein Weg sein in den Morgen der Auferstehung. Gemeinsam gehen wir dem Licht entgegen.

Doch noch umgibt uns die Nacht, die Dunkelheit.

Das Dunkel um uns herum nehmen wir wahr, auch die Bilder, die vor unserem inneren Auge auftauchen. Vor Gott denken wir an Menschen im Dunkel und benennen unsere Dunkelheit:

Finsternis!

Ich denke an meine Sorgen, Ängste und Nöte.

Ich denke an meine Zweifel an mir selbst, an anderen, auch an Gott.

Finsternis!

Ich denke an meine Angst vor Krankheit, Leiden, Ausweglosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Tod. Finsternis!

Ich denke an das, was meine und fremde Schuld anrichten in dieser Welt.

Ich denke an vielfältigen Unfrieden unter uns, an Habsucht, Neid, Eifersucht, Ehrgeiz, Rechthaberei.

Finsternis!

Ich denke an das, was Menschen einander antun:

Ausbeutung, Unterdrückung, Gewalt, Folter, Terror, diese unvorstellbare Menschenverachtung.

Finsternis!

Ich denke an die furchtbaren Möglichkeiten, die Menschen heute haben.

Ich denke an die Bedrohung der Natur, an das Sterben von Tieren und Pflanzen, an die Schadstoffe, die uns alle umgeben. Ich denke an die Schrecken, die Krieg bedeuten.

Finsternis! Das heißt auch: Armut und Zukunftsangst.

Ja, wahrhaftig, meine Pläne waren andere. Auch ich hatte einmal Träume. Doch, seitdem ich auf dem harten Boden gelandet bin, träume ich nicht mehr.

Frag mich nicht, was morgen sein wird, wovon ich morgen leben werde. Ich weiß es nicht.

Diese Nacht ist anders als die anderen Nächte.

Finsternis! Das heißt auch: Ich weiß nicht mehr weiter. Ich bin ein gekrümmter Mensch, kraftlos und ohne Hoffnung. Aus der Traum. Mein Herz schlägt unruhig und ich fürchte mich vor meinen eigenen Gedanken.

Wie lange meine Kraft noch reicht, das wage ich nicht zu fragen.

Tag für Tag schleppe ich mich dahin - auf meinem Weg der Einsamkeit.

Kein Mensch weiß, wie es wirklich um mich steht. Ich denke oft an das Leben, wie es sein könnte.

Doch diese Nacht ist anders als die anderen Nächte.

Wir beten mit den Worten von Martin Luther King:

Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt die große segnende Kraft Gottes gibt.

Du, Gott, kannst uns Wege aus der Ausweglosigkeit weisen. Du willst das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln - zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.

Darauf vertrauen wir.

Amen

Wir hören Verse aus dem Lukasevangelium im 24. Kapitel:

Aber am ersten Tag der Woche, sehr früh kamen die Frauen zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein weggewälzt vor dem Grab und gingen hinein und fanden den Leichnam Jesu nicht. Und als sie darüber bekümmert waren, siehe da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen:

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenket daran wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. Und die Frauen erinnerten sich an diese Jesu Worte. Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den elf Jüngern und den anderen Freunden Jesu.

Steinmeditation

Die drei Frauen gingen durch die Dunkelheit um ihrem Herrn einen letzten Dienst zu erweisen. Doch wer wälzt ihnen die steinerne Last weg?

Auch wir kennen Situationen, wo ein Stein uns den Weg versperrt, wo Steine uns belasten.

Vielleicht stellen Sie sich jetzt vor dass Sie einen Stein in der Hand halten wenn Sie nachfolgende Worte lesen:

Herr, ich fühle bewusst den Stein in meiner Hand. Er erinnert mich daran: Ein Stein hat vor deinem Grab gelegen. - Steine liegen oft auf meiner Seele, Steine trennen mich von dir. Welchen Namen trägt mein Stein? Heißt er Angst? - Heißt er Einsamkeit? - Heißt er Traurigkeit? Heißt er Stress, Ehrgeiz oder heißt er Schuld? -

Du bist für uns in den Tod gegangen, um alle Steine, alle Lasten, alle Schuld von uns zu nehmen. Im Gedenken daran, will ich meinen Stein gleich ablegen auf dein Kreuz und mich befreien von dem, was mich von dir trennt.

In das Dunkel der Welt bist du als Licht gekommen und willst auch unser Leben erhellen. Wir sollen uns anstecken lassen von deinem Licht und davon weitergeben in unsre Welt. Denn du hast uns gesagt:

Ich bin das Licht der Welt. So wie mich mein Vater gesandt hat, sende ich euch.

So lasst uns nun den Stein der Schuld, der Last, der Schmerzen und der Sorgen ablegen.

Ostern - Jesus ist auferstanden.

Gott schließt uns in unserer Dunkelheit eine Tür auf. Nicht, damit wir in eine andere, bessere Welt fliehen. Kein Leben ohne Stein, ohne Sorgen. Aber der Stein, der uns den Weg zum Leben mit ihm verschloss, ist weggerollt.

Auf unseren oft so steinigen Wegen des Alltags begegnet uns Gott auf seine Weise und bewegt die vielen kleinen Steine, die uns immer wieder begrenzen:

Wer Angst hat, der soll furchtlos werden.

Wer ohne Hoffnung ist, der soll hoffnungsvoll aufblicken.

Wer von Schuld gedrückt wird, der soll aufgerichtet werden.

Schlussgebet:

Gott, eine lange Nacht liegt hinter uns, eine Nacht,

in der wir versucht haben dem Leben auf die Spur zu kommen. Dem Leben, das blüht in Licht und Finsternis,

dem Leben, das aufsteht gegen den Tod bei Tag und bei Nacht,

dem Leben, das du uns immer neu verheißt.

Gott,

ein neuer Tag liegt vor uns, ein Tag,

an dem wir das Geheimnis der Auferstehung feiern und preisen,

das Geheimnis, das blüht in Licht und Finsternis,

das Geheimnis, das aufsteht gegen den Tod bei Tag und bei Nacht, das Geheimnis, das Du uns immer neu verheißt.

So danken wir dir, Gott, für diese Osternacht, für diesen Ostermorgen und bitten Dich, lass uns etwas mitnehmen von deiner Wahrheit,

die erklingt hinter allen Worten, die auflebt hinter allen Gedanken und Zeichen, die uns fordert und trägt,

an allen Tagen und in allen Nächten unseres Lebens. Amen

Vater Unser………

Segen: Gottes Segen leuchte uns - wie das Licht am Ostermorgen,

Gottes Liebe beflügele uns,

Gottes Freude rühre uns an,

Gottes Friede komme über uns und begleite uns.

Christus ist auferstanden!

Er ist wahrhaftig auferstanden! In diesem Glauben segne uns Gott, der Allmächtige und Barmherzige, der Vater, der Sohn, der Heilige Geist.

Amen.

Silke Pauli

Ostern 2020

top