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Wie Christen leben sollen - Prädikant Dr. Armin Schwalfenberg, Herborn

Liebe Gemeinde,

wir feiern heute den 4. Sonntag nach Ostern, Kantate. Als Wochenspruch ist hierfür vorgesehen Psalm 98, 1: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

Der vorgesehene Predigttext steht in Kolosser 3, 12-17. Dort lesen wir:

12 So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; 13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 14 Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. 15 Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. 16 Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. 17 Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Zu diesem Text möchte ich Ihnen einige Impulse geben. Zuvor wollen wir jedoch Gott darum bitten, dass er unser Herz für sein Wort öffnet:

„Herr, schenke uns ein Wort für unser Herz und ein Herz für dein Wort, Amen“.

Kennen Sie den Slogan des Sportartikelherstellers Nike? Er lautet: „Just do it“ (Mach‘s einfach). Als ich unseren Predigttext las, musste ich hieran denken. Eigentlich muss man über den Text nicht predigen, da gibt es keine tiefgreifenden Verständnisschwierigkeiten, sondern man muss ihn einfach tun.

Jedoch ist es manchmal auch bei ganz einfachen Sachen so, dass es sich lohnt, etwas genauer hinzuschauen. Da gibt es dann die eine oder andere Überraschung. So ging es mir auch, als ich mich zunächst einmal gefragt habe, woher denn eigentlich der Slogan von Nike: „Just do it“ herkommt.

Im Internet kann man dazu lesen, dass Dan Wieden, der ehemalige Werbechef von Nike, vor einiger Zeit die Herkunft des Kultspruchs verraten hat. Wieden wurde von den letzten Worten des Mörders Gary Gilmore inspiriert. Dieser wurde nachdem er bei einem Raubüberfall zwei Männer erschoss, zu Tode verurteilt. Vor der Vollstreckung seines Urteils sprach er: „Let’s do It“ Übersetzt bedeutet das: „Bringen wir es hinter uns!“ 1988 stieß der Werbechef von Nike auf diese Geschichte und war sofort fasziniert. Die „Mach es einfach“-Botschaft hielt er für perfekt. Allerdings änderte er den Slogan leicht ab. Die Geschäftsführung von Nike mochte den Spruch zu Anfang nicht, aber er konnte sie überzeugen.

Eigentlich basiert der Slogan „Just do it“ also auf eine Aufforderung, die nicht mir selbst, sondern anderen gilt.

Wie verhält es sich bei unserem Predigttext. Verstehen wir ihn richtig, wenn er die Botschaft an uns selbst enthält: Mach es einfach! Beim näheren Hinschauen wird meines Erachtens deutlich, dass es so einfach nicht ist. Vielmehr geht es hier um verschiedene Glaubensschritte:

Schritt 1:

Unser Text geht von einer Voraussetzung aus. Er richtet sich an ganz besondere Leute. In Vers 12 lesen wir: Die Auserwählten Gottes, die Heiligen und Geliebten. Nur diese sind die Adressaten der dann folgenden Aufforderungen. Deshalb ist Grundvoraussetzung, dass ich mir bewusst bin, dass ich zu diesen Gruppen gehöre. Entscheidend ist dabei, dass sich die angesprochenen Personen nicht dadurch auszeichnen, dass sie etwas Besonderes sind, sondern dadurch, dass Gott sie als etwas Besonderes ansieht.

-        Gott hat uns auserwählt; Gott hat uns durch Jesus Christus aufgefordert, in seine Nachfolge zu treten.

-        Gott hat uns geheiligt; wir sind nicht Heilige, weil wir so gut sind, sondern weil wir zu Gott gehören. Alles, was zu Gott gehört, ist heilig.

-        Gott liebt uns; durch Jesus Christus ist er uns ganz nahegekommen und hat uns seine Liebe ganz deutlich gemacht.

Wenn mir nicht klar ist, dass ich in dieser Beziehung zu Jesus, zu Gott stehe, ergeben die nachfolgen-den Aufforderungen keinen Sinn.

Man kann diese Grundvoraussetzung mit folgendem Vergleich verdeutlichen: Es geht um die gleiche Situation, in der ein Bettelkind stehen würde, das durch den König adoptiert wurde.

Er hat es auserwählt, durch ihn ist es geheiligt, in den Adelstand versetzt worden, durch seine Liebe wurde es aus dem Elend in eine ganz neue Welt versetzt.

Ein Bettelkind, das sich dieser Situation bewusst ist, wird selbstverständlich versuchen, sich in der für es neuen Welt, bei Hof so zu bewegen, wie es dieser Welt entspricht.

In der gleichen Situation stehen Christen. Sie wollen ihr Leben so gestalten, wie es ihrem Christenstand entspricht.

Schritt 2:

Unser Text zählt ganz einfach auf, wodurch das Leben eines Christen bestimmt wird:

-        Herzliches Erbarmen; wo lasse ich das Schicksal meines Nächsten noch an mein Herz herankommen?

-        Freundlichkeit; wie kann ich im Alltag meinen Mitmenschen aufgeschlossen und zugewandt begegnen?

-        Demut; in welchen Situationen erhebe ich mich über andere?

-        Sanftmut; wem gegenüber muss ich mich für ein unüberlegtes Wort entschuldigen?

-        Geduld; wo sollte ich mir mehr Zeit für eine andere Person nehmen?

-        Ertrage einer den anderen; welchen Mitmenschen (vielleicht Ehepartner) muss ich in seiner Andersartigkeit einfach ertragen?

-        Vergebt euch untereinander; in welcher Situation muss ich wieder neu in den Blick bekommen, was Gott mir selbst vergeben hat und den ersten Schritt auf einen anderen Menschen hin tun?

-        Zieht an die Liebe, das Band der Vollkommenheit; wann war mein Denken und Handeln nicht durchdrungen von der Liebe, die ich selbst durch Jesus erfahren habe?

-        Der Friede von Jesus Christus regiere in Euren Herzen; wo halten Rachegedanken mein Herz gefangen?

-        Seid dankbar; welche Dinge, die mir gegeben wurden, sind für mich zur Selbstverständlichkeit geworden? Wo habe ich verlernt zu staunen und mich bewusst zu freuen?

-        Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen; sollte ich mehr in Gottes Wort forschen und lesen? Wieviel Zeit verbringe ich über der geöffneten Bibel?

-        Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; bin ich weise und komme meiner Verpflichtung anderen weiter zu helfen nach?

-        Singt Gott dankbar in euren Herzen mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern; von welchen Gefühlen ist mein Herz geprägt?

-        Tut alles mit Worten und Werken im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott; verhalte ich mich im Alltagsleben so, dass Jesus dazu ja sagen kann?

Welche der obigen Fragen hat Sie besonders getroffen, wo sehen Sie unmittelbaren Handlungsbedarf? Wenn es einen Punkt gibt, dann gilt hier: Just do it!

Schritt 3:

Das hört sich leicht an: Just do it, aber häufig ist es doch so schwer. Da ist nicht nur unserer „innere Schweinehund“, den es gilt zu überwinden, sondern auch die Erfahrung, dass wir immer wieder scheitern, wenn wir uns anschicken, so unser Leben zu gestalten, dass es „Jesus gemäß“ wird.

Aber vielleicht hilft uns auch an dieser Stelle das Beispiel vom Betteljungen. Auch ihm wird es nicht gelingen, sich so zu verhalten, dass es immer dem höfischen Zeremoniell entspricht. Aber wird der König darüber enttäuscht sein? Nein, wenn bei allem Handeln und Fehlern zum Ausdruck kommt, dass dahinter der Wunsch steht, es dem König recht zu machen.

Wieviel mehr ist dies bei Gott der Fall, der unser Herz ansieht, der in Jesus selbst Mensch geworden ist und von daher auch unsere Zerrissenheit kennt, unsere Schwächen tatsächlich verstehen kann.

Ja, Jesus ist gerade auch dafür gestorben, weil wir mit dem „Just do it“ scheitern. In dieser Situation des Scheiterns dürfen wir immer wieder neu zu ihm kommen, ihn um Vergebung bitten und uns neu auf den Weg machen.

Das Scheitern trennt uns nicht von Jesus, sondern führt uns zu ihm hin und bindet uns umso mehr an ihn. Deshalb, auch wenn die Gefahr des Scheiterns besteht: Just do it.

Schritt 4:

Schritt 4 ist der erste „Just do it-Schritt“ für Sie. Wenn ihnen bei der obigen Aufzählung der Dinge, die getan werden sollten, ein Punkt ganz besonders von Jesus ans Herz gelegt wurde, dann lade ich Sie jetzt ein, diesen im Gebet vor Jesus zu bringen, ihn zu bitten, dass er diesen ersten Schritt zusammen mit ihnen geht:

„Herr Jesus, du siehst mein Herz an, du weißt wie es um mich steht. Du kennst den ersten Schritt, den ich tun soll. Gib mir die Kraft dazu. …

Amen“

Wenn wir alle gemeinsam anfangen, neue Schritte im Glauben zu wagen, dann wird die nächste Woche für uns eine Woche werden, die tatsächlich unter dem Wochenspruch steht: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

Lassen Sie uns gemeinsam darum beten, dass wir dieses Wunder erleben dürfen und in diesem Gebet auch all die Dinge benennen, die uns als Fürbitte am Herzen liegen:

„Herr, unser Gott, schenke uns, dass wir beginnen, ein neues Lied zu singen. Gib uns, dass wir deine Wunder ganz persönlich und in dem Leben unserer Gemeinde erfahren dürfen. …                             Bitten wollen wir dich auch für…

Amen“

Gehen Sie in die nächste Woche unter dem Segen Gottes:

„Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über dich und schenke dir Frieden, Amen.“

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